Interview zur Rente mit 67 – „Die Rendite bleibt auch in Zukunft positiv“
Ab 2012 wird das Rentenalter schrittweise auf 67 Jahre steigen. Damit will die Bundesregierung das Rentensystem stabilisieren. Ein Gespräch mit Herbert Rische, Präsident der Deutschen Rentenversicherung Bund.
Herr Rische, die Bundesregierung will, dass Arbeitnehmer künftig erst mit 67 in Rente gehen. Ist das der richtige Weg?
Wir müssen die Rentenversicherung langfristig der Bevölkerungsentwicklung anpassen. Einerseits leben wir immer länger und bekommen auch länger Rente. Andererseits sinken die Geburtenzahlen. Durch die Anhebung will die Bundesregierung sicherstellen, dass die Beiträge bezahlbar bleiben und sich auch die jüngere Generation auf die gesetzliche Rente verlassen kann.
Ist es realistisch, dass wir bis 67 arbeiten können?
Wie lange jemand arbeiten kann, entscheidet sich im Einzelfall. Die gesetzliche Rentenversicherung sichert aber diejenigen, die aus gesundheitlichen Gründen aus dem Arbeitsleben ausscheiden, durch die Erwerbsminderungsrenten. Auch die Rehabilitation wird bedeutender werden. Wichtig ist, dass ältere Arbeitnehmer bessere Chancen bekommen, bis 67 zu arbeiten.
Versicherte mit 45 Beitragsjahren sollen auch künftig mit 65 in Rente gehen können. Ist das gerecht?
Diese Regel begünstigt vor allem diejenigen, die ohne Unterbrechungen arbeiten konnten und eine angemessene Rente haben. Arbeitslose, Frauen oder Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr richtig arbeiten können, werden nur selten so viele Jahre erreichen. Wir sollten hier eher einen gleitenden Renteneintritt über die Erwerbsminderungsrenten finden.
Sie sagen, die Rendite der gesetzlichen Rente bleibt positiv. Wird die Rente mit 67 daran etwas ändern?
Die Rendite bleibt positiv, auch wenn das Rentenalter jetzt auf 67 Jahre angehoben wird. Zwar sinkt die Rendite leicht. Dennoch werden die Versicherten auch in Zukunft mehr Rente bekommen als sie an Beiträgen eingezahlt haben. Das bestätigen auch der Sachverständigenrat und die Stiftung Warentest. Wir gehen davon aus, dass die durchschnittliche Lebenserwartung und damit die Rentenbezugsdauer weiter steigen.